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Vom Fragen

  • Writer: Roger Koch
    Roger Koch
  • Mar 26
  • 1 min read

Haben Sie schon einmal gezählt, wie viele Fragen Ihnen an einem Tag gestellt werden? Und wie viele Antworten Sie ergo tagein, tagaus geben müssen? Denn von einem Vorgesetzten werden ja Antworten erwartet, Entscheidungen, Instruktionen – zu Recht. Ich habe eine Zeit lang mitgezählt, nicht systematisch, einfach so zwischendurch: Es waren fast immer über 20, der Spitzenwert lag bei 37.


Das heisst: 20-mal pro Tag sich in ein fremdes Thema eindenken, abwägen, entscheiden – während die eigenen Themen liegen bleiben. Und nach jeder Antwort klopft schon der Nächste oder tritt einfach durch die offene Tür, die Sie als moderne Chefin ja selbstverständlich haben.


Eine Lösung tat not, und so erklärte ich meinem Team das Dilemma offen und bat alle: «Kommt nicht mit einer Frage – kommt mit einem Vorschlag. Dann kann ich Rückfragen stellen oder einfach ja oder nein sagen. Ihr könnt das Thema so vorbereiten, dass tendenziell das herauskommt, was ihr hören wollt. Und ich muss mein Gehirn weniger martern. Alle gewinnen.»


Das Ergebnis: Es hat geklappt. Zumindest in der Hälfte der Fälle. In der anderen Hälfte konnte ich augenzwinkernd fragen: «Und was schlägst du vor?» – dann dämmerte es.


Ein Nebeneffekt, den ich erst später bemerkte: Ich konnte immer häufiger auf die Vorschläge zurückkommen, und zwar namentlich: «Wir übernehmen den Vorschlag von X.». Oder «Z. brachte gestern einen sehr guten Input.» Sie können sich die Gesichter der Genannten vorstellen. Und dann dämmerte es auch mir: Irgendwie sind denkende Mitarbeiter engagiertere Mitarbeiter.

 
 
 

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