Vom Klatschen und Tratschen
- Roger Koch

- Apr 30
- 1 min read
Wenn ich in unsere kleine Firmenküche komme und mindestens zwei Leute dort herumstehen, wird immer über etwas geredet – noch mehr über jemanden. Über den Kollegen, der einfach nicht zum Punkt kommen kann. Über die Mitarbeiterin, die jeden Satz mit «oder» abschliesst. Über den Neuen, der schon wieder krank ist.
Manchmal klingt es auch anders: «Wenn die bei den Sitzungen dabei ist, kommt immer etwas Schlaues heraus – ohne sie hätten wir gestern noch lange rumhirnen können.» Oder: «Der Typ kann einfach alles – und ist auch noch hilfsbereit. Gestern ist er sogar länger geblieben und hat mein Excel-Chaos aufgeräumt.» Wenn mir dergleichen zu Ohren kommt, mache ich mir einen Sport daraus, zu fragen: «Hast du es ihr schon gesagt?» Oder «Weiss er, dass dir das so wichtig war?» Die Antworten reichen von «Nein» bis hin zu «Das weiss der schon!».
Nein, weiss er nicht. Darum schicke ich die Nettigkeitenerzähler jeweils zum Kollegen mit der Bitte, es ihm direkt zu sagen. Oder ihr. Und am nächsten Tag frage ich nach: «Und, hast du?» Ich insistiere, bis es gesagt ist.
Als Vorgesetzter können Sie auch noch eine Schippe drauflegen und dem Empfänger der frohen Kunde sagen: «Der X. war schön erleichtert, dass du ihm gestern noch geholfen hast.» Ganz beiläufig. Ohne viel Aufhebens.
Wir Menschen sind Klatsch-und-Tratsch-Onkel und -Tanten. Das ist ein Ventil, hebt die Stimmung.
Das Gute weitersagen übrigens noch mehr.



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