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Vom Beherrschen der Ränder
Es wird mal wieder geschnödet, diesmal im Lehrerzimmer. Über den Neuen, der sich so ins Zeug legt, dass man selbst beschämt wird. «Das ist schon zweischneidig, denn es wirft ein schlechtes Licht auf alle, die nicht so viel Zeit haben.» O-Ton. Kein Witz. Gibt es natürlich nicht nur in der Schule. Überall sitzen sie, die Beargwöhner, die jene mit Verachtung strafen, die länger bleiben, sich ins Zeug legen, Freude an der Arbeit haben. Das kann doch nicht normal sein! Vielleicht

Roger Koch
7 days ago2 min read


Von Mode und Wahrheit
Letzte Woche beim Mittagessen mit den pubertierenden Kindern mal wieder eine jener Diskussionen über Sinn und Unsinn von Schreiben und Schule. Es geht hin und her, es wird laut und lauter, und am Ende schleudert mir mein Sohn siegessicher entgegen: «Schreiben am Laptop ist modern, von Hand schreiben ist einfach überholt!» Aha. «Überholt»?! Was soll das denn eigentlich heissen … Hört man ja auch im Unternehmenskontext immer wieder: Dieser Ansatz ist aus der Mode, jene Theorie

Roger Koch
May 212 min read


Meine Auffahrt
Gestern war ich glücklich. So richtig. Ich hatte ein schwieriges Kapitel fertig, an dem ich tagelang gearbeitet hatte. Der Auftrag ist gross, das Thema vielschichtig, ich hatte mich entschieden, einen literarischen Block aus Salingers Buch «A Girl I Knew» in ein Businesskonzept einzuweben. Aber die Abfolge war nicht stimmig, die Sätze holprig. Hier ein Abschnitt rein, dort ein Wort raus – mit Claude gelang es mir endlich. Ich lehnte mich zurück, rauchte, genoss den Moment und

Roger Koch
May 142 min read


Von den verdammten LinkedIn-Posts
Es ist mal wieder Mittwoch, der Donnerstag naht, das Wordfile strotzt vor angefangenen Ideen, der Cursor lacht mich aus. Ich schreibe an diesen verdammten LinkedIn-Posts verdammt lange, bin selten zufrieden, aber heilfroh, wenn sie endlich fertig sind. Oft rund, zu rund vielleicht, ich sollte kantiger schreiben, weiss nicht wie, habe mir deshalb Tropmanns «11 Zutaten für sündhaft verführerische Texte» heruntergeladen (der Download ist übrigens zu empfehlen). Ansonsten ist die

Roger Koch
May 71 min read


Vom Klatschen und Tratschen
Wenn ich in unsere kleine Firmenküche komme und mindestens zwei Leute dort herumstehen, wird immer über etwas geredet – noch mehr über jemanden. Über den Kollegen, der einfach nicht zum Punkt kommen kann. Über die Mitarbeiterin, die jeden Satz mit «oder» abschliesst. Über den Neuen, der schon wieder krank ist. Manchmal klingt es auch anders: «Wenn die bei den Sitzungen dabei ist, kommt immer etwas Schlaues heraus – ohne sie hätten wir gestern noch lange rumhirnen können.» Ode

Roger Koch
Apr 301 min read


Von der Kontrolle
Ich sah die Kundenreklamation im Posteingang und dachte mir: Jetzt bin ich aber mal gespannt! Eine halbe Stunde später ging ich im Backoffice vorbei und sagte zur Mitarbeiterin: «Deine Antwort auf die Reklamation war der Hammer. Hätte ich nicht besser gekonnt» – da sah sie mich an, als hätte sie einen Geist gesehen und zugleich einen Blumenstrauss erhalten: «Du liest unsere Mails wirklich?!» Ich: «Gelegentlich. Hab ich ja gesagt. Ich will wissen, was läuft.» Genau das will ic

Roger Koch
Apr 231 min read


Vom Selbermachen
Sie kennen den berühmten Tag 1 der neuen Mitarbeiterin und des neuen Mitarbeiters: Sie kommen hochdekoriert mit Diplomen, aber kaum auf die Sache losgelassen, zeigen sie gravierende Lücken: Zwar Germanistik studiert, aber die Mails sind dennoch stümperhaft; zwar das KV absolviert, aber Excel geht dann trotz ICDL eher harzig. Das alte Credo von Schule & Co. eben: Behandelt haben wir es, für das Können übernehmen wir keine Garantie. So viel zum Alltag – und zu unserem Gejammer.

Roger Koch
Apr 161 min read


Von den «Ressources humaines»
Vor meiner Ausbildung zum Sekundarlehrer suchte ich mir einen Job in der Romandie (nein, keine Arbeit, einen Job): Geld verdienen, Sprache lernen – in dieser Reihenfolge. Das liegt zwar schon das eine oder andere Jahrzehnt zurück, aber ich erinnere mich noch genau, wie ich vor dem Schild stehenblieb, das am Gebäude meines Ziels prangte: «Département des ressources humaines.» Ich staunte ungläubig, entrüstet, amüsiert. Ernsthaft jetzt?! Keine Personalabteilung, sondern eine Ab

Roger Koch
Apr 91 min read


Von Menschen und Fähigkeiten
Meist dämmerte es mir auf unseren rauschenden Betriebsfesten (die wir bei jeder Gelegenheit feierten): Ich hatte die richtigen Leute eingestellt. Es machte einfach Spass, mit ihnen zu trinken, zu tanzen, zu feiern – und am nächsten Morgen mit einem verkaterten Grinsen und einem brummenden Schädel wieder um 7 Uhr loszulegen. Und natürlich die Details des Abends immer wieder launig in Erinnerung zu rufen. Was hatte ich bei der Teamzusammensetzung richtig gemacht? Ich hatte es z

Roger Koch
Apr 21 min read


Vom Fragen
Haben Sie schon einmal gezählt, wie viele Fragen Ihnen an einem Tag gestellt werden? Und wie viele Antworten Sie ergo tagein, tagaus geben müssen? Denn von einem Vorgesetzten werden ja Antworten erwartet, Entscheidungen, Instruktionen – zu Recht. Ich habe eine Zeit lang mitgezählt, nicht systematisch, einfach so zwischendurch: Es waren fast immer über 20, der Spitzenwert lag bei 37. Das heisst: 20-mal pro Tag sich in ein fremdes Thema eindenken, abwägen, entscheiden – während

Roger Koch
Mar 261 min read


Vom Donnerstag
Ich mag Teamsitzungen nicht, mochte sie noch nie. Sie beanspruchen meine volle Aufmerksamkeit, Konflikte müssen ausgetragen statt ausgesessen werden, ich muss Entscheide fällen – und das natürlich immer bei unvollständiger Datenlage. Weil mir die Teamsitzungen so viel abverlangten, legte ich sie stets auf den Donnerstag. Denn der Donnerstag ist weit genug weg vom Montag, sodass mir mein Wocheneinstieg nicht vermiest wird. Und der Donnerstag liegt nahe genug am Wochenende für

Roger Koch
Mar 191 min read
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