top of page

Von den «Ressources humaines»

  • Writer: Roger Koch
    Roger Koch
  • Apr 9
  • 1 min read

Vor meiner Ausbildung zum Sekundarlehrer suchte ich mir einen Job in der Romandie (nein, keine Arbeit, einen Job): Geld verdienen, Sprache lernen – in dieser Reihenfolge.


Das liegt zwar schon das eine oder andere Jahrzehnt zurück, aber ich erinnere mich noch genau, wie ich vor dem Schild stehenblieb, das am Gebäude meines Ziels prangte: «Département des ressources humaines.» Ich staunte ungläubig, entrüstet, amüsiert. Ernsthaft jetzt?! Keine Personalabteilung, sondern eine Abteilung für menschliche Ressourcen?! Und ich weiss auch noch, wie ich dachte: Das wird sich nie durchsetzen. «Ressources humaines» wird verschwinden, dagegen werden die Gewerkschaften Amok laufen …


Sie sehen: Ich war jung und naiv.


Heute heisst es fast überall so. Oder noch schöner: «Human Capital.» Menschen als Kapital, als Ressource, als Posten in der Bilanz. Verquerer Wertekompass? Negatives Menschenbild? Diskriminierende Wortwahl? Eher mangelnder Realitätssinn. Denn wer für Ölvorkommen und Menschen denselben Begriff verwendet, beginnt irgendwann, das eine mit dem anderen gleichzusetzen. Und muss sich dann nicht wundern, wenn sich der Mitarbeiter fragt: Will ich für einen solchen Simpel Überstunden machen? Oder: Bleibt die Ressource mit Halsschmerzen im Zweifelsfall doch lieber zu Hause?


Wie man in den Wald ruft, so klingt es zurück. So einfach ist das. Dafür braucht man noch nicht mal Moral. Ein bisschen praktischer Verstand reicht vollkommen.


Man hat mich bei dem Grossisten, bei dem ich damals jobbte, übrigens gut behandelt. Die Menschen hinter dem Schild waren offenbar keine Humanressourcen. Und ich werde es nie sein.

 
 
 

Comments


bottom of page