Von der Kontrolle
- Roger Koch

- Apr 23
- 1 min read
Ich sah die Kundenreklamation im Posteingang und dachte mir: Jetzt bin ich aber mal gespannt! Eine halbe Stunde später ging ich im Backoffice vorbei und sagte zur Mitarbeiterin: «Deine Antwort auf die Reklamation war der Hammer. Hätte ich nicht besser gekonnt» – da sah sie mich an, als hätte sie einen Geist gesehen und zugleich einen Blumenstrauss erhalten: «Du liest unsere Mails wirklich?!» Ich: «Gelegentlich. Hab ich ja gesagt. Ich will wissen, was läuft.»
Genau das will ich, auch wenn Kontrolle heute einen schlechten Ruf hat. Man diffamiert sie als kleingeistiges Micromanagement und verkauft die eigene Gleichgültigkeit als Vertrauen. Ein Irrtum mit Folgen – denn die Mitarbeitenden kapieren rasch: Wenn es egal ist, ob ich eine Regel befolge, dann ist die Regel offenbar dem Chef egal. Und was dem Chef egal ist, das ist in der Firma egal. Und was in der Firma egal ist, muss auch mich nicht interessieren. Logisch.
Dabei ist Kontrolle die unterschätzteste Form von Wertschätzung – wenn sie in beide Richtungen läuft: Wer nur kontrolliert, um zu korrigieren, hat eine Chance verpasst. Wer hingegen kontrolliert und dabei das Gute nicht nur sieht, sondern auch sagt, der zeigt: Meine Anweisungen sind mir wichtig. Und gelegentlich schaue ich nach, ob sie angekommen sind.
Nicht alle Blumensträusse gibt es geschenkt.



Comments