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Von der Ownership

Writer: Roger Koch
Roger Koch
Sep 10
1 min read

Beim Minecraft-Gamen laggt es mal wieder, mein Sohn verliert die Geduld und drischt auf sein Stofftier ein – bis es ein Loch hat. Ich rege mich auf, fahre dazwischen: «Du kannst doch deinen Teddy nicht zerstören!» – «Doch! Es ist mein Teddy, ich kann damit tun, was ich will!»


Darf ich zerstören, was «mein» ist? Intuitiv sagen wir: Nein, sicher nicht. Aber warum eigentlich nicht?


Stellen wir ein paar «mein»-Dinge nebeneinander: mein Zahnarzt, mein Teddy, meine Mutter, mein Land. Meinen Zahnarzt besitze ich nicht. Meiner Mutter gehöre ich eher als sie mir. Mein Land hat mich. Einzig beim Teddy hat mein Sohn recht: Der gehört ihm – und er darf ihn trotzdem nicht zerstören.


Denn was mir gehört, ist mein Übungsplatz. Der Junge übt dort gerade das Zerstören. Dagegen sträubt sich unsere Intuition.


Dasselbe Problem heisst im Geschäftsleben «Ownership». Gnade uns Gott, wenn Chefs dabei zwischen «mein Geld», «meine Firma» und «meine Leute» nicht unterscheiden können. Das Geld ist der Teddy: Wer es verjubelt, übt das Verjubeln. Die Firma gehört einem, und man gehört ihr. Die Leute gehören einem gar nicht.


Unterscheiden will geübt sein. Die Grammatiker differenzieren ein halbes Dutzend Sorten von «mein» – für das Leben reicht Augustinus: die Geordnetheit der Zuneigung.


Das leuchtet den meisten Leuten am Ende ein, sogar Kindern. Ich sagte meinem Sohn: «Der Teddy gehört dir, ja. Aber das heisst, dass er deine Zuneigung bekommen soll, nicht deine Zerstörungswut.»


Bei meinen Kindern hat es gewirkt. Mittlerweile verdrehen sie die Augen, sobald es um den Umgang mit einer Sache oder einem Menschen geht: «Nicht schon wieder das Teddy-Beispiel!»

 
 
 

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