Vom Donnerstag
- Roger Koch

- Mar 19
- 1 min read
Ich mag Teamsitzungen nicht, mochte sie noch nie. Sie beanspruchen meine volle Aufmerksamkeit, Konflikte müssen ausgetragen statt ausgesessen werden, ich muss Entscheide fällen – und das natürlich immer bei unvollständiger Datenlage.
Weil mir die Teamsitzungen so viel abverlangten, legte ich sie stets auf den Donnerstag. Denn der Donnerstag ist weit genug weg vom Montag, sodass mir mein Wocheneinstieg nicht vermiest wird. Und der Donnerstag liegt nahe genug am Wochenende für eine positive Perspektive: Wenn ich diese Sitzung sauber durchbringe, verfolgt mich die Erinnerung daran nicht mehr bis ins Wochenende. Gesagt, getan – ich fuhr damit ziemlich gut, und das fast 20 Jahre lang. Mein Grundsatz: Das Schwierigste lege ich auf den Donnerstag.
Die Moral: Der Zeitpunkt eines Meetings, eines Gesprächs, einer Mitarbeiterinfo spielt eine wichtige Rolle. Entscheidet oft sogar über «Krieg und Frieden».
Was könnte Herr X. aus dem Mitarbeitergespräch dem Team erzählen – und was davon stimmt Frau Y. möglicherweise ärgerlich und sabotiert so meine nächste wichtige Unterhaltung mit ihr? Wen muss ich an Bord holen, um genügend «atmosphärischen Support» zu haben, wenn ich den unpopulären Entscheid verkünde?
Widmen Sie also der Planung des Wann-und-Wer ebenso viel Sorgfalt wie dem Inhalt selbst. Denn Zeitpunkt und Reihenfolge geben oft den entscheidenden Twist – für Sie selbst, für andere, die ganze Atmosphäre.
Zurück zum Donnerstag: Ich bin froh, im Moment frei von solchen Donnerstags-Meetings zu sein. Sollte ich jedoch eines Tages einen Termin mit Ihnen auf den Donnerstag legen … nun ja, dann wissen Sie ja jetzt, warum.



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