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Vom Krampf mit unserer Biologie, Teil I

  • Writer: Roger Koch
    Roger Koch
  • 4 days ago
  • 2 min read

Während unser täglicher Alkoholkonsum sinkt, erfreut sich das Rauschtrinken ungebrochener Beliebtheit. Zigaretten werden zwar weniger geraucht, aber neue Nikotinprodukte sind en vogue (Pouches, Vapes) – ganz zu schweigen vom grassierenden Ketamin- und Kokainkonsum. Hatte Lady C. also doch recht? Die CEO eines chinesischen Tabakkonzerns sagte mir beim Abendessen: «Die Menschen wollen süchtig sein.»


Warum konsumieren wir Menschen Drogen? Meine Vermutung: Weil wir nicht auf unsere Biologie reduziert sein wollen. Der Mensch, dieser Hybrid aus Geist und Materie, mag nicht bloss biologisches Wesen sein – er will mehr, will «Bewusstseinserweiterung», will Rebellion, will Traum, will Rausch, will Ausbruch.


Die Quittung: die Sucht. Kommt übrigens von «siechen», nicht von «suchen». Gelbsucht, Tobsucht, Eifersucht – lauter mühsame Siechtümer. Und die Drogensucht ist das Siechtum im Kielwasser des Ausbruchs.


Wollen wir die Sucht, wie Lady C. vermutete? Natürlich nicht. Wir wollen den Rausch, den Kick – nicht aber die Sucht.


Geht das? Gemäss Präventionsfachleuten eher schlecht: Jährlich sterben in der Schweiz über 10'000 Menschen an Suchtmitteln, Hunderttausende sind abhängig, die volkswirtschaftlichen Kosten liegen bei rund 8 Milliarden Franken.


Damit ist eigentlich alles gesagt – wäre da nicht der unheilige Bruder des Bio-Rebellen, über den wir viel zu selten lesen, der aber im Gegensatz zum Räuschling Hochkonjunktur hat: der Bio-Wächter.


Während der eine seine Biologie sprengen will, will der andere sie beherrschen. Er kennt seine Cholesterinwerte im Schlaf, er schlummert peinlich genau 7,4 Stunden, und die Check-ups des nächsten Jahres stehen schon im Kalender. «Securus» meint eigentlich «frei von Sorge». Bloss sind, so zumindest meine Beobachtung, die Bio-Wächter die besorgtesten Zeitgenossen, die ich kenne. Die Sorge um ihre Biologie frisst das Leben, das sie zu schützen suchen.


Die Wächter leiden stiller als die Rebellen, schon klar. Auch taugen sie weniger als Säufer, Raucher und Kiffer für reisserische Headlines. Dennoch wollte ich mal wissen, was das ewige Bewachen uns eigentlich kostet: Wie teuer kommt uns jedes vorsorglich verlangte MRI, jeder überflüssige Test, jede Behandlung, die niemand brauchte, zu stehen? Es sind gemäss Fachleuten zwischen 9 und 18 Milliarden. Pro Jahr.


Da haben wir den Salat – der Mensch kommt mit seiner Biologie schlecht zurande. Sowohl die Überflügler als auch die Bewacher der Biologie verursachen der Volkswirtschaft Kosten in Milliardenhöhe.


Damit ist zumindest mal der Fairness Genüge getan: Jene, die sich dauernd präventiv kurieren lassen, sind für die Gesellschaft mindestens so teuer wie jene, die berauscht unterwegs sind.


Aber was bedeutet das für uns? Dazu nächste Woche mehr …

 
 
 

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