Vom ökonomischen Prinzip
- Roger Koch

- Aug 6
- 1 min read
Sommerferien mit den Kindern bedeuten immer auch: irgendetwas unternehmen. Darum in der dritten Woche ab nach München, ich sage «Stadtbesichtigung», sie hören «Shoppingtour».
Wir bleiben beim wunderschönen Warenhaus Breuninger hängen (ein gehobener Department-Store für Mode, Kosmetik und Lifestyle auf über 12'500 Quadratmetern, so Google). Sohn und Tochter testen sich durch die Parfumabteilung, das Personal wird befragt, die Flakons werden bewundert, die Düfte immer und immer wieder getestet. Am Ende mein Sohn: «Ich nehm das Kilian Angels' Share on the Rocks, ich habs gerade online gefunden, ich bestells dort, es kostet über 20 Franken weniger.» – «Und du willst es nicht hier kaufen?» – «Sicher nicht, ich bezahl doch nicht 20 Franken zu viel!»
Den Rest können Sie sich denken: Ich nannte es geradezu dumm, online zu bestellen, wenn er auch künftig Parfums live testen wolle. «Du hast nur ans Parfum gedacht. Aber wer bezahlt das Haus, ‹deine› Regale, das Ausprobieren? Showrooming killt deinen nächsten Einkauf.»
Ich verschonte ihn mit Smith, Mill, Kant und der Nobelpreisträgerin Ostrom. Und es war auch keine moralische Diskussion (mögen wir beide nicht), es ging bloss ums Rechnen – aber unter Einbezug aller Positionen.
Ich wusste, dass er beides verstanden hatte: die Rechnung und den Vater. Zugeben konnte es der 13-Jährige dennoch nicht.
Am Ende kaufte er das Parfum bei Breuninger – nachdem ich mich mit 5 Franken an den Mehrkosten beteiligt hatte. Mein «Angels' Share».
Prinzipien werden erst zum Problem, wenn man sie verabsolutiert. Eine Lektion für mich, eine für ihn. München hat sich gelohnt.



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