Von der Selbstvergessenheit
- Roger Koch

- Jun 7
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Von Pfingstfreitag um 10.45 Uhr bis Pfingstmontag um 11.30 Uhr haben mein 22-jähriger Sohn und ich gezockt. Colonization aus dem Jahr 1994, jeder vor seinem Bildschirm, keine gemeinsamen Mahlzeiten, Schlaf nur, wenn einer nicht mehr konnte. Knapp 46 Stunden Spielzeit.
Es war einfach grossartig – obschon ich das Game, zum dritten Mal in Folge, verlor und zugegebenermassen etwas müde war. Aber innerlich fühlte ich mich erneuert, vital, hatte das Gefühl, tagelang weg gewesen zu sein, war voller Tatendrang. Und mir wurde, als ich es Revue passieren liess, wieder mal klar, wie sinnvoll Zweckloses sein kann.
Denn der Zweck fragt dauernd nach dem Wozu: Bringt es mir etwas (geschäftlich, gesundheitlich, emotional usw.)? Was habe ich davon (mehr Geld, mehr Freizeit, eine bessere Figur)? Den Modus kennen wir alle – schlimmstenfalls ist es der einzige, den wir kennen.
Was aber hat Sinn? Alles, wo unsere Sinne zur Topform auflaufen und wir uns selbst vergessen. Und das gilt nicht nur für die Klassiker unter den Sinnenfreuden, Wandern, Sex, Baden, Spielen usw., sondern für eigentlich alles in unserem Leben. Wo wir mit allen Sinnen dabei sind, uns einlassen – dort vergessen wir uns und dort fühlt es sich plötzlich Sinn-voll an.
Warum das so schwierig ist? Weil wir uns permanent selbst über die Schulter schauen. Wir beobachten uns, kommentieren, stellen Fragen – wir sind bei uns statt bei der Sache. Und das ist eine lächerlich enge Art zu leben.
Genug nachgedacht und geredet. Der Sinn erklärt sich nicht, er erschliesst sich. Darum gibts übrigens im August das nächste sinnvolle Zockwochenende. Widerspruch: zwecklos.



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